Fabian Sommer, Monash University, Melbourne, Victoria, Study Abroad (Physics) 2007

Monash University, Melbourne, Victoria,
Study Abroad (Physics)
Februar bis Juni 2007

 

1. Vorbereitung

Als die ersten Diplomprüfungen im Sommer 2006 auf mich zukamen, verstärkte sich bei mir der Wunsch, dass ich ein Jahr im Ausland verbringen möchte. Da es nicht nur Studium, sondern auch Reisen beinhalten sollte, kristallisierte sich bald Australien heraus, und ich begann das Internet zu durchstöbern und die Auslandsstelle meiner Universität, die technische Universität München, zu kontaktieren. Keiner konnte mir aber fundierte Informationen zum Physikstudium in Australien geben, bis ich eine Mail an Herrn Prof. Keedy schrieb, der durch Zufall einen Physikprofessor an der Monash University in Melbourne kannte. Der Kontakt war auch gleich hergestellt, und nach kurzem, ziemlich unbürokratischen Emailverkehr, war ich an der Uni eingeschrieben, und das auch noch, obwohl die Anmeldefrist eigentlich schon abgelaufen war. Es verlief alles sehr reibungslos.

2. Anreise

Da zwischen Prüfungen in Deutschland und Semesterbeginn in Australien 3 Monate Zeit war, beschloss ich mit einem Kumpel die Ostküste Australiens unsicher zu machen, und so brachen wir hier unsere Zelte ab, buchten einen Flug nach Sydney und ließen uns von den Abenteuern überraschen, die da kommen sollten. Wir flogen mit Emirates, die ich nur empfehlen kann, super Service, gutes Essen. Tip: 3 oder 4 Tage in Bangkok bleiben und sich das asiatische Essen schmecken lassen.

3. Drei Monate auf Reise

Ohne einen großen Plan zu haben, kauften wir in der ersten Woche ein Auto, überhaupt kein Problem, weder "TÜV" noch Zulassung oder Versicherung, und machten uns langsam die Küste auf nach Norden, kamen bis Rockhampton, und fuhren in insgesamt 2 Monaten bis nach Melbourne, wobei wir einige der unglaublichen Nationalparks mitnahmen. Hier sind vor allem Fraser Island und die Carnarvon Gorge als absolute Höhepunkte zu nennen. Dann verschlug es uns noch einen Monat nach Tasmanien, das unzählige Möglichkeiten bot zu wandern, zu baden und die Seele baumeln zu lassen.

Zum Reisen allgemein kann ich folgendes sagen: Ein Auto ist meiner Meinung nach ein Muss, wenn man nicht nur von Backpackertown zu Backpackertown fahren will, sondern auch wirklich was von Land und Leuten kennen lernen will. Die meisten Nationalparks sind ohne einfach nicht zu erreichen. An der Ostküste braucht man eigentlich kein 4WD, ein älteres (dadurch robusteres) Auto reicht vollkommen, mit dem man auch mal ein Stück gravel road fahren kann. Hierbei empfiehlt es sich je nach Straßenverhältnissen um die 70 kmh zu fahren, dann fallen die corrugations (Querwellen auf unbefestigten Straßen, die einen ziemlich durchschütteln können) gar nicht mehr so auf. In den Nationalparks findet man fast immer schöne Zeltplätze, die mit Wassertank, Plumsklo, und oft auch mit BBQ ausgerüstet sind, in Städten kann man sich an die hostels halten, wobei die Qualität ziemlich schwankt und nicht unbedingt mit dem Preis korreliert ist. Am besten andere Backpacker fragen, wo sie welche Erfahrungen gemacht haben. Und das Wichtigste zum Schluss: Mit Einheimischen reden, so viel es geht, der Lonely Planet ist zwar ein guter Anfang, aber die wirklich schönen, verlassenen Punkte habe wir meistens von Einheimischen erfahren.

4. Ankunft in Melbourne

Schon etwas vertraut mit der australischen Lebensweise, kam ich 3 Tage vor Unibeginn in Melbourne an und machte mich auf die Wohnungssuche. Die gestaltete sich als äußerst einfach, da ich auf der Homepage der Universität einen Stellenmarkt für Zimmer gefunden hatte, wo ich nach kurzer Suche 7 Termine für Besichtigungen hatte, alle an einem Tag und 20 Minuten mit Rad entfernt von der Uni. Eins hiervon stellte sich als äußerst nett heraus, und so zog ich für 5 Monate bei einer chinesischen Familie für 80 €/Woche incl. aller Nebenkosten plus Telefon, Internet ein. Auf diese Weise bekommt man zwar nicht so schnell Kontakt zu anderen Studenten, aber die "On-Campus" Möglichkeiten sind weitaus teurer, vor allem für Kurzzeitstudenten. Außerdem werden diese Wohnheime meist von ziemlich jungen Studenten bewohnt, wodurch man zwar jede Nacht ne andere Party hat, aber nicht wirklich zum Lernen kommt. Ich war über meine Entscheidung des Privatwohnens sehr glücklich. Hinzu kamen noch kleinere Ausgaben für Bettwäsche und alltägliche Gebrauchsgegenstände, die ich aber fast alle in sehr preisgünstigen asiatischen Billig-Läden um die Ecke erstehen konnte.

5. Studium

Um am Study Abroad-Programm in Australien teilzunehmen, muss man 16 credit points belegen, was bei mir auf 3 Vorlesungen und ein physics project hinauslief. Bei der Wahl der Vorlesungen war ich total frei, wobei man etwas auf die prerequisites der verschiedenen Kurse achten muss. Allerdings ist die Uni hier relativ tolerant, was die Anrechnung angeht. Zu den Vorlesungen ist zu sagen, dass sie sehr viel verschulter sind als in Deutschland, man hat Tutorials, und practical classes, was aber dazu führt, dass man mit etwas mehr Arbeit unter dem Semester den Stoff weitaus besser lernt und vor den Prüfungen fast nichts zu tun hat. Die Dozenten waren sehr motiviert und gut vorbereitet, die Tutoren teilweise etwas gelangweilt, aber alles in allem hatte ich einen sehr guten Eindruck von der Lehre. Hinzu kam eine exzellente Ausstattung mit Computerräumen.

Das physics project stellte sich als sehr arbeitsintensiv (12 Stunden pro Woche) heraus, allerdings auch als sehr lehrreich, und es gab mir große Freiheit beim Bearbeiten der gestellten Aufgabe.

Die Anrechnung zwei der Vorlesungen und des Projektes war in München an der TU München kein Problem.

6. Ausklang eines großartigen Jahres

Nach meinen Prüfungen im australischen Winter (na ja, es waren immer noch 13 Grad in Melbourne) traf ich mich in Darwin, im hohen Norden, wieder mit meinem Kumpel, und wir bereisten abermals 2,5 Monate den Norden und Osten Australiens, wobei wir natürlich das Zentrum mit dem unvergesslichen Uluru nicht auslassen konnten.