Lucas Wirmer, Deakin University, Study Abroad, 2007

Erfahrungsberichte - Business Systems/Information Systems

Deakin University, Burwood Campus, Melbourne (VIC)

Study Abroad

February to June 2007

 

1. Die Recherche-Phase

Ich begann mit einer gründlichen Internet-Recherche, wobei ich insbesondere Gebrauch von der Seite des Ranke Heinemann Instituts (www.ranke-heinemann.de) machte. Dort findet man recht übersichtlich allgemeine Informationen zum Studium in Australien und eine Datenbank der Universitäten in Australien. Empfehlen kann ich zudem das Buch „Studienführer Australien, Neuseeland“ (herausgegeben vom DAAD und erschienen im Bertelsmann Verlag) um einen ersten Eindruck von den notwendigen organisatorischen Aufgaben zu bekommen.

Herrn Prof. Keedy lernte ich bei einem Vortrag zum Thema Australienstudium kennen, den er an der Uni Hamburg hielt. Einige Zeit später füllte ich das Kontaktformular auf seiner Homepage aus und führte ein erstes Telefongespräch mit ihm. Zu dem Zeitpunkt war ich mir noch nicht sicher, ob ich nur ein Semester (ohne australischen Abschluss) oder zwei (mit dem Ziel eines australischen Bachelor-Abschlusses) im Ausland studieren wollte.

Prof. Keedy hat mir die unterschiedlichen Möglichkeiten nochmals aufgezeigt und mir zudem die Unis genannt, zu denen er mich vermitteln kann. Schließlich fiel die Wahl auf die Deakin University in Melbourne, für ein einfaches Study Abroad Semester.

 

2. Die Bewerbungs-Phase

Ich durchforstete die Kurslisten der Deakin University und suchte insgesamt sechs Units heraus, die ich sinnvoll in mein Studium in Deutschland integrieren könnte. In Australien macht man zwar nur maximal vier Units je Semester, aber da man vorher nie weiß, ob es vielleicht zu Überschneidungen zweier Lehrveranstaltungen kommt, sollte man einen gewissen Puffer einplanen. Für jede Unit lässt sich bei der Deakin University ein mehrseitiges standardisiertes Dokument herunterladen, das Inhalte und Anforderungen sowie benutzte Literatur auflistet. Diese Dokumente benutzte ich, um sie den Professoren an meiner Heimatuni vorzulegen und die Anerkennungsmöglichkeit zu klären.

Nachdem alle Vorarbeiten geleistet wurden, habe ich das ausgefüllte Bewerbungsformular an Prof. Keedy geschickt, der es dann nach Australien weitergeleitet hat. Das Verfassen eines zusätzlichen Motivationsschreibens konnte ich mir ersparen.

Einige Wochen später (Anfang August) erhielt ich dann eine relativ niederschmetternde Mail, aus der hervorging, dass vier meiner sechs gewählten Units nicht genehmigt wurden. Zum Glück war Prof. Keedy genauso irritiert darüber, wie ich, und konnte nach einigen Rückfragen die Angelegenheit klären. Wegen neuer interner Vorgaben musste ich das Erfüllen der verschiedenen „Prerequisites“ im Detail nachweisen, das bloße bestandene Vordiplom war nicht ausreichend.

Ich benötigte also eine Übersetzung der Vordiplomsinhalte meines Studiums der Wirtschaftsinformatik. Diese habe ich zunächst selbst angefertigt und dann zur Kontrolle an Herrn Keedy geschickt. Nachdem sie von seiner Seite abgesegnet war, musste ich mir diese Zusammenfassung nun von der Hamburger Uni bestätigen lassen. Dies gestaltete sich schwieriger als erwartet, was aber vermutlich vor allem an Besonderheiten der Hamburger Uni und dem dortigen Studiengang Wirtschaftsinformatik lag. Wirtschaftsinformatiker sind dort im Endeffekt an zwei komplett getrennten Fachbereichen eingeschrieben (Wirtschaftswissenschaften und Informatik), so dass es für jede Frage mehrere Ansprechpartner und sich überschneidende Kompetenzen gibt.

Letztlich erhielt ich meine Zulassung (die sogenannte Confirmation of Enrolment, CoE) Anfang November – später als erwartet aber immer noch zeitig genug, um alles weitere zu organisieren.

 

3. Die Anreise

Sobald ich die Zusage aus Australien hatte, suchte ich einen Flug. Dadurch, dass das erste Semester in Australien im Februar beginnt und meine Klausurenphase in Deutschland bis in den Februar hineinreichte, war ich sehr auf ein bestimmtes Anreisedatum festgelegt. Geflogen bin ich letztlich mit Emirates für ca. 1100 EUR von Hamburg aus.

Mit dem CoE kann dann auch das Studentenvisum beantragt werden. Zum Glück kann man dies bequem von zuhause aus im Internet tun. Die Kosten lagen allerdings bei recht hohen 250 EUR. Außerdem konnte ich mit Hilfe des CoE ein Urlaubssemester an meiner Heimatuni beantragen (dadurch spart man sich die Hamburger Studiengebühren).

Die australischen Studiengebühren zahlt man man am einfachsten per Kreditkarte, auch wenn dabei hohe Gebühren (meist ca. 1% für Auslandseinsatz) fällig werden. Das klappte erwartungsgemäß problemlos...

Ca. zwei Wochen vor meinem Abflug recherchierte ich nach Möglichkeiten des Wohnens in Campusnähe. Neben den von der Uni angebotenen Wohnheimen, die meist extrem teuer sind, gibt es verschiedene kleinere, meist privat geführte Häuser mit Zimmern für internationale Studenten.

Wenige Tage vor meiner Abreise wurde mir ein Zimmer in einem solchen Haus angeboten, das ich nach kurzem Zögern annahm. Ich habe die Entscheidung nicht bereut, war es doch deutlich entspannter, in Australien anzukommen und direkt eine feste Bleibe zu haben, insbesondere da wenige Tage nach meiner Ankunft schon das Orientierungsprogramm begann. Alternativ wäre es möglich gewesen, sich von der Uni eine temporäre Unterkunft organisieren zu lassen und dann selbst zu suchen. In dem Fall findet man sicherlich schönere und günstigere Zimmer und kann sich auch die Leute, mit denen man zusammenwohnt vorher ansehen. Allerdings ist es natürlich etwas stressiger als die von mir gewählte Variante.

Am Flughafen in Melbourne angekommen wurde ich von der Uni abgeholt und bis zu meiner Wohnung gebracht, alles sehr unproblematisch. Wegen meines eng gesteckten Zeitplans konnte ich am Orientierungstrip nach Lorne (Küstendorf) leider nicht teilnehmen.

 

4. Das Studium in Australien

Am zweiten Tag der Orientierungswoche findet die eigentliche Einschreibung statt. Eine Menge Formulare mussten ausgefüllt werden, es war aber alles gut organisiert und am Ende bekam man gleich seinen Studentenausweis in Form einer Plastikkarte in die Hand gedrückt.

Bei meinen Units gab es eine kleine Überschneidung, die sich aber als unproblematisch herausgestellt hat, da man wirklich alle Vorlesungsmaterialien in einem Onlineportal herunterladen und nacharbeiten kann. Teilweise kann man sich sogar Video- oder Audioaufzeichnungen der Vorlesungen herunterladen und zuhause ansehen.

Das Studium selbst habe ich als praxisorientierter aber auch als weniger anspruchsvoll empfunden. Man wird extrem stark angeleitet und bekommt so zum Beispiel ganz genau gesagt, welche Seiten aus welchem Buch man wann lesen sollte. Außerdem musste ich insgesamt acht sogenannte Assignments (Aufgaben) anfertigen, die jeweils mit in die Endnote zählen. Durch dieses sehr arbeitsintensive System wird man mehr oder weniger gezwungen, am Stoff dranzubleiben, so dass sich das Lernen für die Klausuren am Ende, wofür man lediglich eine Woche Zeit hat, dann einfach gestaltet. Hinzu kommt, dass durch die zahlreichen Assignments die eigentliche Klausur oft nur noch zu 50% in die Endnote eingeht – sehr praktisch, wenn man am Tag der Klausur mal nicht so gut drauf ist.

 

5. Anerkennung der Studienleistungen in Deutschland

Ich denke dieser Punkt hängt sehr von den Umständen an der jeweiligen Heimatuniversität ab. Es ist auf jeden Fall zu empfehlen, sich einige Zeit vor (!) dem Beginn des Auslandsstudiums bereits um mögliche Kurse und deren Anerkennung zu kümmern. Ich habe zu diesem Zweck die jeweiligen Professoren besucht und mir die Anerkennungsmöglichkeit bestätigen lassen. Nach meiner Rückkehr musste ich dann nur noch das „Academic Transcript“ von der Deakin Uni vorlegen und ein paar Antragsformulare ausfüllen.

 

6. Fazit

Ich kann ein (Teil-)Studium in Australien jedem empfehlen. Das Land ist beeindruckend, die Einheimischen aufgeschlossen und freundlich und das Wetter meistens besser als in Deutschland ;-)

Wer sehr hohe Anforderungen an die Qualität der Lehrveranstaltungen hat, der sollte sich vielleicht an der Deakin Uni eher im Postgraduate-Bereich umsehen oder eine andere Uni suchen. Mir hat es aber sehr gut gefallen und ich würde es jederzeit weiterempfehlen.

Auch wenn es ein paar andere Organisationen gibt, die beim Australienstudium unterstützen, würde ich empfehlen, es zusammen mit Hr. Keedy anzugehen. Die persönliche Betreuung ist erstklassig und seine zahlreichen direkten Beziehungen zu den Universitäten unbezahlbar.

Wer weitere Fragen an mich hat, kann meine eMail-Adresse gerne bei Hr. Keedy erfragen und sich jederzeit an mich wenden.