Marian Harbach, Monash University, Master of Information Technology, 2008

Erfahrungsbericht Marian Harbach
Es sind bereits 3 Monate vergangen seit dem ich in Down Under war. Zuletzt reiste ich noch für 5 Monate, sodass mein letzter Tag an der Monash Unviersity Melbourne bereits 8 Monate zurück liegt. Es kommt mir vor als sei dies alles erst gestern gewesen und ich habe auch gerade erst am vergangenen Wochenende meine Zeugnis und meine Masterurkunde erhalten. Und selbst jetzt sind die fachlichen Kontakte noch nicht abgebrochen: Ende dieses Monats (Juni 2009) werde ich mich mit zwei meiner Dozenten in Paris auf der SIGKDD, einer Konferenz für Knowledge Discovery and Data Mining, treffen um ein Projekt vorzustellen an dem ich gemeinsam mit einem Franzosen und einem Inder gearbeitet habe. Aber von Anfang an: Bereits Mitte 2006, damals im vierten Semester nach meiner Vordiplomsprüfung, fiel die Entscheidung meine Englischkenntnisse im Ausland aufzubessern und überhaupt die Gelegenheit zu nutzen eine andere Kultur zu erleben.
Ich informierte mich ein wenig beim akademischen Auslandsamt über Möglichkeiten und Länder. Mein Planungshorizont umfasste zu diesem Zeitpunkt noch knapp zwei Jahre. Im Nachhinein war dies auf jeden Fall wichtig, da ich alle Formalitäten und Entscheidungen rechtzeitig angehen konnte. Relativ schnell wurde klar dass ich nach Australien wollte. Zum Einen würde ich wertvolle Praxis in der lingua franca der Informatik sammeln und zum Anderen reizte mich Landschaft und Kultur sehr, nicht zuletzt durch viele Berichte von Freunden und Bekannten die den roten Kontinent schon bereist hatten. Mein Diplomstudium für zwei Semester zu unterbrechen sollte kein Problem darstellen.
Als weitere glückliche Fügung erwies sich dann die Tatsache, dass ein Kommilitone und Freund ungefähr den gleichen Plan hatte. So gingen wir die gesamt Planung und Organisation gemeinsam an. Frei nach dem Motto 4 Augen und 2 Köpfe sehen und denken an mehr als zwei bzw. einer, unterstützen wir uns gegenseitig.
Als Erstes stand die Frage der Finanzierung im Raum. Zunächst wollten wir es über das Hessen/Queensland Austauschprogramm versuchen, dort wäre der Aufenthalt allerdings auf 1 Semester begrenzt gewesen. Wir stießen dann auf das Angebot von Prof. Keedy, der zufällig der Doktorvater des Profs unserer Arbeitsgruppe ist. Nach intensiver Beratung entschlossen wir uns dazu den Master of Information Technology an der Monash University abzulegen, da dies als deutscher Diplomstudent mit Vordiplom plus 3 Semester in einem Jahr möglich ist. Bedingung hierbei ist noch, dass man alle Kurse mit Leistungsnachweis ablegt und auch solche belegt die äquivalent zu 4 Units des australischen Masters sind um zum einen Bacheloräquivalenz als auch ein anrechnungsfähiges Semester zu erhalten. Prof. Keedy war hierbei stets hilfreich, auch wenn natürlich die finale Entscheidung bei Monash liegt und er darauf keinen großen Einfluss hat. Letztendlich erwies sich die Anerkennung der Leistungen jedoch als unproblematisch, insbesondere da man am Fachbereich wusste dass Keedy uns betreut hatte.
Kurze Zeit später flatterte auch, gerade rechtzeitig zum Ende der Bewerbungsfrist für den DAAD, die conditional Offer von Monash ins Haus. Damit und einer Referenz zu Prof. Keedy bewarben mein Kollege und ich uns beim DAAD und wurden sogar beide angenommen. Bei einer Gesamtzahl von nur knapp 40 Studenten pro Jahr für ganz Australien und Neuseeland fühlten wir uns sehr geehrt. Hinzu kam dann auch kurz vor Reiseantritt noch, dass statt nur gut 7.000€ nun 10.000€ Studiengebühren erstattet werden. Die Finanzierung war damit erstmal gesichert.
Insgesamt muss man sagen dass sich der Aufenthalt in Melbourne teurer gestaltete als erwartet. Nicht nur die Studiengebühren von gut 15.000€ für ein Jahr, sondern auch die Lebenserhaltungskosten waren durchaus nicht zu vernachlässigen. So schlug Wohnen, Essen und Freizeit mit mindestens 1.000€ pro Monat zu Buche. Und das ist noch eher konservativ. (Ein Beispiel ist die Monatskarte für die Bahn, die nicht von der Uni unterstützt wird und für die man 105$ zahlen muss).
Im Großen und Ganzen schließt sich mein Bericht dem von Michel Gerdes an, der zur gleichen Zeit mit mir und dem zweiten Kollegen aus Marburg vor Ort war und auch den gleichen Abschluss machte. Im zweiten Semester schien ein regelrechte Invasion einzusetzen, denn zusätzlich trafen wir noch 3 Darmstädter Studenten sowie einen Kollegen von Michel aus Hamburg die auch über Herrn Keedy zur Monash gekommen waren.
Im Folgenden möchte ich also nur noch auf Aspekte eingehen, die Michel in seinem Bericht nicht erwähnt hat bzw. auch anders gemacht hat.
Zum Ersten verlangt mein Outdoor-Herz von mir das Folgende mit Nachdruck anzumerken: Geht man nach Australien dürfen die Wanderschuhe und die Outdoor-Ausrüstung, soweit transportabel, nicht im Gepäck fehlen! Gerade für Kletterer und Wanderer gibt es fantastische Möglichkeiten rund um Melbourne die auch am Outdoor-Unbedarften nicht spurlos vorbei gehen sollten. So empfehle ich jedem wenigstens einmal mit dem MBOC (Monash Bushwalking and Outdoor Club) die nähere Umgebung von Melbourne per pedes zu Erkunden (z.B. Wilsons Promontory National Park oder Mt. Feathertop) und auf den großartigen Klettertrip zum Mt. Arapiles State Park an Ostern mitzufahren. Das waren die Highlights meines gesamten Aufenthaltes. Ansonsten spreche ich an dieser Stelle noch Empfehlungen für Trips nach Tasmanien, in die Grampians und zu Mt. Buller zum Skifahren aus.
Desweiteren verlief der akademische Teil für mich etwas anders als bei Michel. Ich schrieb im ersten Semester 3 Klausuren. Das war wirklich nicht schön, da man mit ca. 300 Menschen in einem riesigen Raum sitzt (die Pferderennbahn wird extra von der Uni angemietet). Es ist laut, ständig läuft jemand herum und vor allem ist niemand vor Ort dem man eine Frage stellen könnte. Man wird nur von ehemaligen Mitarbeitern überwacht. Aber man gewöhnt sich ja an alles. Die Klausuren an sich waren nicht zu schwer, wenn auch dadurch von der Gewichtung her (meist 60 zu 40% mit den Hausarbeiten) ein leichtes Ungleichgewicht für den Arbeitsaufwand entsteht. Michel erwähnte bereits, dass die Inhalte der Master Kurse etwas stark praxisorientiert ausgelegt waren und daher entschloss ich mich im zweiten Semester o.g. Projektarbeit aufzunehmen. Ich sprach mit einer meiner Dozentinnen und sie gab mir 4 Themen zur Auswahl. Ich entschied für ein Framework zum mobilen Data Mining, da ich dort zum einen meine Java Kenntnisse Anwenden und Erweitern konnte aber auch mit zwei weiteren Studenten zusammenarbeiten würde. Die Arbeit war sehr fruchtbar und machte eine Menge Spaß, da wir ein multikulturelles Team waren. Wir bekamen sogar ein eigenes Büro. Wie bereits erwähnt fahren wir mit diesem Projekt nun zur SIGKDD nach Paris um es dort zu demonstrieren. Die Arbeit wurde etwas schlecht betreut, da die Betreuer immer selbst viel zu tun haben. Sie gaben sich jedoch Mühe wo sie konnten. Ich fand die Projektarbeit sehr gut, weil man intensiv in Kontakt mit dem Fachbereich und einer einzelnen Arbeitsgruppe kommt und viele Kontakte aufbauen kann.
Dann möchte ich auch noch kurz etwas zur Lern-Motivation in den Kursen sagen. Im Gegensatz zu dem was ich aus Deutschland gewohnt war, wurden in jedem Kurs die besten Studenten ausgezeichnet. Man erhielt meistens einen Brief vom Dekan, aber einmal bekam ich sogar einen USB
Stick geschenkt. Am Ende des Jahres werden auch Awards für die besten Studenten vergeben. So erhielt ich den Dean’s Achievement Award, der mit 250$ dotiert ist, sowie die Academic Medal for Excellence an der Graduation Ceremony (zu der ich leider nicht anwesend war). Man bewirbt sich auch automatisch für Stipendien. D.h. jeder Student der sich einschreibt wird automatisch auf seine Qualifikation für ein Stipendium geprüft. Insgesamt finde ich, dass diese Praktiken einen gewissen Ansporn für das Erreichen guter Noten bieten.
Ich wohnte in South Yarra. Ein Stadtteil der für den Besuch des Caulfield Campus eigentlich optimal gelegen ist. Man ist in 10 Minuten mit dem Zug oder der Tram im CBD und in nur 15 Minuten am Campus. Ich hatte noch Glück, da meine Bleibe nur 130$/Woche kostete. Andere legten da schon gerne 160 bis 200$ auf den Tisch. Ganz schrecklich war es in den Wohnheimen der Uni am Clayton Campus, von denen ich jedem nur abraten kann, es sei denn man steht auf Landschulheimathmosphäre in heruntergekommenen Räumlichkeiten. Teuer ist es zudem auch noch und abgesehen von einer einzigen Kneipe in 15 Minuten Gehentfernung ist man auch mitten im Nirgendwo. Ich lernte eine Freundin aus Kassel kennen, die dort untergebracht war und für sie war es in den wenigen Monaten die sie dort verbrachte nicht grade traumhaft. Man findet auch sehr wenige Studi-WGs, was für einen deutschen Studenten durchaus sehr überraschend sein kann. Ist man es hier doch gewohnt das beinahe das gesamte studentische Wohnen in WGs stattfindet, so findet man in Melbourne kaum „richtige“ WGs, sondern eher Shared Houses in denen die Bewohner nicht ihre Mitbewohner auswählen. Insgesamt sollte man nicht zu hohe Ansprüche an seinen Wohnraum haben. Das wird die grundsätzlich schon schwierige Wohnungssuche etwas einfacher gestalten. Man sollte Geduld mitbringen, da der Wohnungsmarkt grade zum Semesteranfang nicht gerade entspannt ist.
Alles in allem bleibt trotz aller gewöhnungsbedürftigen Umstände zu sagen dass sich ein Aufenthalt in einem fremden und fernen Land sehr lohnt. Jenseits von fachlichen Vorteilen lernt man so viel über Kulturen und sich selbst. Gerade in Australien und auch Melbourne ist das meiner Ansicht nach sehr intensiv der Fall, da in der Stadt sowie in der Uni viele Menschen unterschiedlicher Herkunft aufeinander treffen.
Für weitere Informationen stehe ich gerne per Mail zur Verfügung (Adresse kann bei Herrn Keedy erfragt werden, ansonsten findet man mich auch in StudiVZ und Facebook). Außerdem gibt’s noch mein Blog - http://blog.faky.net mit vielen Bildern, Videos und Eindrücken aus Down Under.