Michael Nebeling, BITS (Hons), Monash University, Berwick Campus, 2007/2008

Zusammenfassung

Stützend auf den Beitrag von Mark Poguntke, der gemeinsam mit mir und einem Mitstudenten von Ulm im Jahr 2007 an der Monash University, Melbourne, studiert hat, fasse ich kurz die durchweg positiven Erfahrungen durch unseren Studienaufenthalt in Australien zusammen. Ich gehe dann ins-besondere auf die Erfahrungen nach dem Studium in Australien ein, als Prof. Keedy mich auch bei der Bewerbung auf Ph.D.-Stipendien an den Universitäten Melbourne und Monash beraten und unter-stützt hatte. Aus familiären Gründen musste ich dann allerdings von meinem Vorhaben zurücktreten, nur um schließlich an der ETH Zürich als Doktorand zu landen. Ich konnte dabei erneut auf Prof. Kee-dy's Hilfe zählen, als er mir auf meine Bitte hin ein sehr ausführliches Empfehlungsschreiben insbe-sondere mit Bezug auf den australischen Anschluss anfertigte.

Etwas im eigenen Interesse

Um das gleich mal vorweg zu nehmen: ich bin sehr froh über meine Entscheidung, einen Teil meines Studiums in Australien zu absolvieren. Dass mich Prof. Keedy bei dem ganzen Vorhaben super be-treut hat, zeigt sich glaube ich bereits in der Tatsache, dass ich diesen Bericht unbedingt schreiben wollte und schon lange versprochen hatte. Das Honours-Jahr, hauptsächlich am Berwick Campus der Monash University in Australien, war eine tolle Erfahrung und auch ein großer Erfolg!

Mittlerweile hat sich auch eine starke Bindung nach Australien aufgebaut. Im August diesen Jahres soll es zum dritten Mal nach Melbourne gehen, diesmal wieder mit Emirates (ich bin bisher mit Qan-tas, Thai und Emirates geflogen, und Emirates ist oft sowohl der günstigste Flug von München als auch die angenehmste Flugverbindung in meinen Augen, da über Dubai ein Zwischenstopp nach et-wa ein Drittel der Strecke eingelegt wird). Ach ja, und in meinem speziellen Fall sind die Andeutungen meiner Freunde zumindest teilweise wahr geworden: „Du lernst bestimmt eine Frau kennen und kommst nie wieder zurück! ;-)", hieß es oft vor dem Auslandsaufenthalt. Wahr ist, dass Janet der überwiegende Grund ist, warum ich im August diesen Jahres wieder nach Australien gehe. Warum ich allerdings nach dem Honours nicht einfach dageblieben bin, darauf möchte ich in diesem Bericht ausführlich eingehen.

Das Honours-Jahr 2007 am Berwick Campus, Monash University

Der Berwick Campus ist der kleinste Campus der Monash University in Melbourne, und wie ich finde auch der schönste - Caulfield ist der nächstgrößere und Clayton gleicht schon fast einer Stadt. Dass sich alle drei Campus auf derselben Trainline in die Stadt befinden, nämlich der Packenham Line, wird auch der Tatsache gerecht, dass man unter Umständen auch Vorlesungen an den anderen Campus besuchen muss. Da wir für unsere Honours Thesis jedoch alle unsere Supervisor in Berwick gefunden hatten, und da dass Research Project formal 50% des Honours-Jahres ausmachen sollte, entschieden wir einstimmig nach Berwick zu ziehen.

Die Suche nach einer Unterkunft kann eine langwierige Aufgabe sein, die viel Geduld und großen Einsatz erfordert, aber auch entsprechend belohnt werden kann. In unserem Fall haben wir bei so vielen Leuten Unterstützung gefunden, dass es im Endeffekt gar kein Problem war, ein schönes, klei-nes aber feines Haus für die Dauer unseres Aufenthaltes zu mieten und komplett einzurichten. Man könnte ja behaupten, dass das alles nur Glück war, aber mittlerweile habe ich auch von Freunden, die nach uns nach Australien gegangen sind, ähnliche Geschichten gehört, und bisher ist noch jeder gut untergekommen. :-)

Das Studium an sich war im Vergleich zu Deutschland deutlich zeitaufwendiger und teilweise auch anspruchsvoller. Insbesondere fand ich die Thesis-Komponente des Honours-Abschlusses als die größte Herausforderung aber auch das Beste am ganzen Studium. Unser Honours-Koordinator hat uns gleich zu Anfang beraten und jedem von uns einen Supervisor entsprechend unserer Forschungs-interessen und Themenvorschläge zugeordnet. Es macht durchaus Sinn, sich schon vorher zu überle-gen, in welche Richtung man ungefähr forschen möchte. Ich fand deshalb sehr positiv, dass man nicht einfach nur seinen Supervisor bei seiner Forschung unterstützen musste (ist an vielen anderen Universitäten der Fall, wo die eigene Master-Thesis lediglich einen Teil des Ph.D.'s des Supervisors abdeckt), sondern man uns im Rahmen der Möglichkeiten sehr frei entscheiden lassen hat.

Entsprechend breitgefächert und unterschiedlich vielen die einzelnen Themen der Honours-Studenten am Ende des Jahres aus. Gleich war bei allen allerdings, dass wir im ersten Semester eine begleitende Vorlesung, IT Research Methods, besuchten, die uns auf die bevorstehende Forschungs-arbeit vorbereiten sollte. Wesentlicher Bestandteil und auch größte Herausforderung im ersten Se-mester waren im Rahmen dieser Vorlesung das Research Proposal und das Literature Review. Bei beiden Arbeiten musste man sich kräftig ins Zeug legen, da der Zeitaufwand den von „normalen" Assignments, die ohnehin schon viel Zeit beanspruchten, bei weitem übersteigen sollte. Außerdem war Sinn und Zweck der Sache, dass man die Literatur aus seinem Forschungsbereich kennen (und lieben) lernen sollte und schon einen großen ersten Teil der Forschung planen und recherchieren sollte. :-)

Obgleich man wegen des Research Projects eigentlich auch in der Semester Break hätte was für die Uni tun sollen, haben wir uns gegenseitig dazu gezwungen, mal eine Pause einzulegen. Melbourne hatten wir weitestgehend durch Sunday Saver‘n (jetzt Weekend Daily‘s) schon unter dem Semester erkundet, also standen nun prominente Ziele wie Sorrento und Phillip Island, die Dandenong Ranges um Healesville Sanctuary oder gar ein Trip entlang der Great Ocean Road auf dem Programm. Leider war die Semesterpause viel zu schnell um und im zweiten Semester ging es auch gleich weiter mit der Thesis. In meinem Fall hatte ich noch etwas Glück, aber die anderen Honours-Studenten mussten sich gleich auf das Ethics Approval stürzen bevor es in die Data Collection Runde ging.

Die kommenden Wochen forderten intensives Studium. Die Zeit, in der dann alles auf einmal kom-men sollte, stand schon vor der Tür: Assignments, diverse Thesis Drafts und schließlich Thesis Hand-in und Presentation kamen am Ende des Semesters (wie das auch immer so ist...) alle auf einen Schlag! Allerdings hatte ich dabei dann noch einmal Glück - dadurch, dass ich mit meinen beiden deutschen Mitstreitern schon 3 von 4 Vorlesungen im ersten Semester belegt hatte, als die Thesis-Komponente noch nicht so viel Zeit beanspruchte, stand im Wesentlichen auch nur noch ein mittelgroßes As-signment und eine kleinere Prüfung am Ende des zweiten Semesters an. :-) Manche unserer Mitstudenten waren es lockerer im ersten Semester angegangen und hatten gegen Ende richtig zu kämpfen. Schließlich hatten wir aber alle gemeinsam einen schönen letzten Tag in Monash mit tollen Präsentationen und lauter fröhlichen Gesichtern, sowohl auf Seiten der Supervisor als auch auf de-nen der Studenten. :-) Es war geschafft! :-)

Besonders schön war auch der nette Abschied von Berwick (natürlich bei einem Barbe!), und noch schöner war es für mich, dem Berwick Staff bei meiner letzten Reise nach Australien auch wieder einen Besuch abzustatten. Man hat „the Germans" dort noch nicht vergessen und ist immer sehr interessiert von uns zu hören. :-)

Anerkennung des australischen Abschlusses in Deutschland

Ja, auch so ein Australienjahr ist irgendwann mal rum, am Ende leider viel zu schnell! ;-) Und auch wenn man prinzipiell die Möglichkeit hat, nach einem guten Honours (H2A+) in Australien direkt den Ph.D. zu machen bzw. ihn sich als Befähigung zum Promotionsstudium in Deutschland anerkennen zu lassen, entschieden wir uns alle dazu, das Diplom in Deutschland auch noch abzuschließen. Das eine Semester mehr in Ulm tat auch gar nicht weh! Schnell waren die wenigen, noch fehlenden Leistun-gen nachgeholt, weil dank Prof. Keedy die Anerkennung der Leistungen aus Australien zumindest in Ulm einwandfrei geregelt ist. Die Umrechnungsskala ist sicher fair, aber geschenkt gibt's nichts! (ein HD von 87, für den man sich ganz schön ins Zeug legen musste, ist in Deutschland leider keine 1,0 mehr). Die Anerkennung der Honours Thesis als Diplomarbeit musste für den Prüfungsausschuss noch von einem Professor in Ulm empfohlen werden, wurde danach aber bei uns allen dreien gemäß Umrechnungstabelle problemlos übernommen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auch noch erwähnen, dass unsere Supervisor in Berwick uns auch nach dem offiziellen Studium in Monash nicht nur finanziell dabei unterstützt haben, unsere Arbeiten auch zu veröffentlichen. Das erste Mal vor einem internationalen Forum von Wissenschaft-lern seine Forschungsarbeit präsentieren zu dürfen und die erste Publikation haben Lust auf mehr gemacht, und so stand in meinem Falle fest, dass ich einen Ph.D. anstreben wollte.

Bewerbung auf Ph.D.-Stipendien in Australien

Noch bevor ich frisch gebackener Dipl-Inf.-ler war, hatte ich mich auf ein Ph.D.-Stipendium in Austra-lien bewerben wollen. Im Fokus stand wieder Melbourne, jedoch diesmal nicht nur die Monash Uni-versity sondern auch die University of Melbourne, von der ich während meines Studiums viel Positi-ves gehört hatte.

Während ich Melbourne selber kontaktiert hatte, hatte ich Prof. Keedy darum gebeten, für mich in Monash anzufragen. Das machte er auch sofort und zu meinem großen Vorteil kannte Prof. Ron We-ber meine Arbeit auch schon aus der Honours Presentation, bei der auch er anwesend war. Er hat dann auch prompt einer Ph.D.-Supervision zugestimmt, und die Chancen auf ein Stipendium wurden sowohl von ihm als auch von Prof. Keedy recht hoch eingeschätzt.

Bei der University of Melbourne kam man mir ähnlich weit entgegen und auch dort war man recht zuversichtlich, dass es mit einem Stipendium für mich klappen würde. Allerdings war ich leichtsinnig davon ausgegangen, dass man auch bei beiden Universitäten anfragen könnte, um sich dann für das bessere „Angebot" entscheiden zu können, und wurde eines Besseren belehrt. Man fragt nicht ein-fach mal so wegen eines Stipendiums an!

Es lief schließlich darauf hinaus, dass ich das Stipendium von Monash nur hätte kriegen können, wenn ich im vorhinein versicher, dass ich es auch annehmen werde (sprich Melbourne in jedem Falle abschlage). Da ich allerdings schon mit potenziellen Supervisorn von Melbourne die Arbeit an einem Ph.D. Research Proposal begonnen hatte, war die Bedingung von Monash nicht sehr einfach für mich, auch wenn ich es Prof. Keedy schuldig gewesen wäre, nicht zuletzt um seinem guten Ruf nicht zu schaden. Die Situation wurde für mich noch schwieriger, als sich gesundheitliche Probleme bei mei-nem Bruder deutlich machten, und ich das Gefühl hatte, dass es letztendlich doch der falsche Schritt wäre, für so eine lange Zeit nach Australien zu gehen (ein Ph.D. dauert im Regelfall zwischen 3 und 5 Jahren).

Ich wendete mich persönlich an Prof. Keedy und erklärte ihm die Situation. Ich bin ihm sehr dankbar für sein vollstes Verständnis und dass er mir weitere Unterstützung zusicherte, wenn ich ihn für ir-gendetwas brauchen würde. In Melbourne brachte man meiner Absage leider nicht so viel Verständ-nis entgegen.

Bewerbung auf Ph.D.-Stelle an der ETH Zürich

Für mich stand allerdings immer noch fest, dass ich ein Ph.D.-Studium aufnehmen wollte. Im Rahmen meines Honours Projects bin ich auf eine Forschungsgruppe an der ETH Zürich gestoßen. Nachdem ich mich gegen Australien entschieden hatte, fragte ich dort bei der leitenden Professorin auf ein Praktikum an, mit der Absicht, die Gruppe kennenlernen zu können (und umgekehrt) bevor ich das eigentliche Doktorat beginnen würde. Ich wurde daraufhin zu einem persönlichen Gespräch eingela-den, in dem man mir anbot, direkt in der Gruppe an einem kleineren Projekt arbeiten zu können. Ich sagte sofort zu, nicht zuletzt da man fest gewillt war, mich wie einen offiziellen Doktoranden in den Büroräumen der Gruppe unterzubringen, um mir die Möglichkeit zu bieten, intensiv mit den Grup-penmitgliedern zu arbeiten und sie so kennenzulernen.

Für die offizielle Bewerbung als Doktorand an der ETH nach dem Praktikum (das übrigens ohne Pro-bleme in Ulm anerkannt wurde) bemühte ich dann allerdings noch einmal Prof. Keedy, indem ich ihn bat ein Empfehlungsschreiben für mich anzufertigen, was im Wesentlichen meine Eignung für das Doktorat auf Grund des erfolgreichen Honours-Abschlusses begründen sollte. Nicht-ETH-Absolventen müssen bei Antragstellung mindestens 2 Empfehlungsschreiben vorlegen, und ihre Annahme ist zu-dem oft an weitere Bedingungen geknüpft, wie z.B. Nachprüfungen in bestimmten Vorlesungen, etc. Ich bin sehr froh, dass mir so etwas erspart geblieben ist, und ich bin mir sicher, dass nicht zuletzt der Honours-Abschluss von Monash ausschlaggebend war für die Entscheidung des Doktoratsausschus-ses zu meinen Gunsten.

Fazit

Ich bin sehr froh über meine Entscheidung nach Australien zu gehen und habe sehr viel davon profi-tieren können, insbesondere vom Honours-Abschluss an sich im Hinblick auf die von mir angestrebte akademische Laufbahn, auch wenn ich sie schlussendlich nicht direkt in Australien fortsetzen wollte. Der große 50%-Anteil der Thesis-Komponente am Honours, die enge Zusammenarbeit mit den Super-visorn und die intensive Betreuung während des Research Projects, bei der uns insbesondere im Rahmen einer Vorlesung die gängigen Forschungsmethoden näher gebracht wurden (ich kenne keine solche Vorlesung in Ulm), haben mich davon überzeugt, dass der Honours-Abschluss von Monash die für mich optimale Vorbereitung auf das Doktorat bot, von der ich höchstwahrscheinlich noch lange zehren kann.

Ich bin sehr vielen Menschen zu Dank verpflichtet, die mich bei meinem Studium immer wieder un-terstützt haben. Ich sehe in meinem Supervisor in Monash schon lange nicht mehr nur meinen Men-tor sondern auch einen sehr guten Freund und ich freue mich, wenn ich ihn im August diesen Jahres wiedersehen kann. Ganz besonders möchte ich mich allerdings bei Prof. Keedy bedanken, der sich auch nach meinem Studium in Monash immer wieder sehr für mich eingesetzt hat.

Michael Nebeling
16. April 2009