Michel Gerdes, Monash University, Master of Information Technology, 2008

Mein Auslandsjahr an der Monash University in Melbourne (2008)


Voraussetzungen

Bereits in der zehnten Klasse hatte ich damit gespielt, die elfte Klasse im Ausland zu verbringen und damals auch schon Australien ins Auge gefasst, es dann aber schließlich auf das Studium verschoben. Als einer der wenigen verbliebenen Diplom-Studenten wollte ich dann auf jeden Fall im Ausland studieren, wobei ich die Auswahl erstmal nicht auf Australien einschränkte. Letztlich überzeugte mich das Land dann aufgrund seiner Entfernung und Reize doch und so erkundete ich mich ein wenig im Internet. Relativ schnell stieß ich auf die Seite von Prof. Keedy, da er bei uns am Fachbereich regelmäßig Vorträge über das Auslandsstudium in Australien hält (Informatik, Uni Hamburg).

Es war für mich dann relativ schnell klar, dass ich das Abenteuer auf jeden Fall in Angriff nehmen wollte, schwankte nur noch zwischen Bachelor w/Honours und Master of IT. Study Abroad schrieb ich relativ zügig ab (Einen Abschluss wollte ich schon) und entschied mich letztlich für den MIT, da ich davon ausgehe, dass der in Deutschland als höherwertig gilt (Den Bachelor w/Honours anzubieten ist den Universitäten per Gesetz in Deutschland untersagt).

Da ich, wie erwähnt, noch auf Diplom studiere und daher ein wenig länger in der Uni verbleibe, hatte ich auch die Möglichkeit, mit Hilfe von Prof. Keedy, den 3semestrigen MIT in zwei Semestern verliehen zu bekommen. Daher entschied ich mich dazu, nach dem siebten Fachsemester (meine Prüfungsleistungen waren auch auf diesem Stand, darauf kommt es an) nach Oz zu gehen.

Bewerbung

Die Bewerbungsunterlagen wurden alle von Prof. Keedy ausgefüllt und er übersetzte alle Dokumente. Ich brauchte letztlich nur die Nachweise einscannen und letztlich die Bewerbung unterschreiben.

Mit dem Vordiplom bekam ich ein "bedingtes Angebot" und später mit den Nachweisen für die Prüfungen von zwei weiteren Fachsemestern dann ein "unbedingtes Angebot", mit dem ich ein Visum beantragen konnte. Damit war die Arbeit von Prof. Keedy auch schon getan.

Monash

Monash ist die größte Universität in Australien, wobei sich die Studenten größtenteils auf die Campusse Clayton und Caulfield verteilen. Ich war nur zweimal kurz in Clayton, kann daher eigentlich nur über Caulfield berichten.

Clayton ist der ältere und meines Erachtens auch schönere Campus. Er erinnert an die amerikanischen Campusse, wie man sie aus Filmen kennt. Hier gibt es viele kleine Gebäude und große Sportanlagen. Der Nachteil von Clayton ist, er ist weit von der City weg und hat keine direkte Bahnstation.

Caulfield ist näher an der City (14min) und hier ist vieles neu. Die Business- und IT-Gebäude glänzen noch und es ist sehr viel Glas verbaut. Entsprechend ist die Ausstattung mit Computern. Allerdings wirkt hier alles ein wenig kühl und es fehlt das richtige "Leben auf dem Campus". Die Vorlesungssäle sind topmodern, allerdings spielt die Elektronik schon mal gerne einen Streich. Natürlich ist alles klimatisiert. Zugang zu Computerlaboren ist mittels der Swipe-Card geregelt (Dem Studentenausweis mit Magnetkarte).

Der MIT ist in Caulfield angesiedelt und daher hatte ich auch alle meine Vorlesungen in Caulfield (es gibt einige Veranstaltungen in Clayton, die Studenten müssen dann pendeln. Es gibt aber einen (inzwischen) kostenlosen Shuttle-Service zwischen den beiden Campussen).

MIT

Da der MIT ziemlich allgemein ist, hatte ich komplett freie Wahl was die Kurse betrifft. Es gibt zwar Bedingungen, aber wichtig sind die eigentlich nur, wenn sich Vorlesungen gegenseitig ausschließen (selbst die kann man wohl umgehen). Von dem benötigten Vorwissen her sollte man als Deutscher Student keine Probleme haben.

Die Anerkennung der Prüfungsleistungen für ein Semester hat auch ohne Probleme funktioniert, dank Rat von Prof. Keedy. Sobald ich die Noten aus Deutschland hatte, bin ich zum Kurskoordiator gegangen und er hat das sofort unterschrieben. (Ich hatte das gleich nach meiner Ankunft in Monash angekündigt und er wollte sich bei Prof. Keedy informieren.) Wenige Wochen später bekam ich ein Bestätigungsschreiben. Durch den Erlass des dritten MIT-Fachsemesters konnte ich (ohne Lebenshaltungskosten) schon mehr als AU$12.000 sparen!

Auf meine gewählten Kurse möchte ich nicht näher eingehen, aber ich habe zufällig Kurse ausgewählt, in denen ich insgesamt keine einzige Klausur schreiben musste. Ich hatte zwar in den zwei Semestern drei Tests in den letzten Wochen vom jeweiligen Semester, aber ich konnte in beiden Semestern bereits in Woche 13 (von 13) Melbourne verlassen, um zu reisen. Andere Studenten mussten jeweils fünf Wochen länger studieren. Dementsprechend sah mein Arbeitsaufwand während des Semesters aus. Andere Kurse haben 0% der Endnote bei den Hausarbeiten und 100% bei der Klausur, bei mir war es halt immer anders herum.
Die Hausarbeiten (Assignments) sind geistig nicht wirklich anspruchsvoll, es ist in der Regel einfach nur sehr sehr viel Fleißarbeit... Es dreht sich viel um Research Reports, für die Research Paper zu einem Thema zusammengefasst und kommentiert werden müssen. Aber natürlich gibt es auch praktische Assignments, wo man dann in der Regel eine Software entwickeln soll. Das kommt ganz auf den jeweiligen Kurs drauf an. Mit einem guten Zeitmanagement und frühem Arbeitsbeginn schafft man aber auch jede Deadline, selbst dann, wenn mal fünf Hausarbeiten in einer Woche abgegeben werden müssen. Mein Arbeitsaufwand lag sicherlich über 50Stunden/Woche, aber spiegelte sich auch in den Noten wider.

Allerdings sind gute Noten meiner Einschätzung nach zu einfach zu erreichen. Das Niveau der Units ist leider nicht wirklich hoch. Da der Master in Australien eine andere Zielgruppe hat, sind auch die Units anders aufgebaut. Trotzdem sind es meiner Einschätzung nach teilweise Dozenten, die keine Ahnung haben, worüber sie Sprechen (Prof. Keedy meinte dazu später, dass die wirklich gute Lehre nur im Bachelor w/Honours in Clayton gegeben wird [hätte ich das gewusst, hätte ich den BwH gemacht], da der Bachelor w/Honours, nicht der MIT, die Voraussetzung für ein PhD-Studium ist). Die Vorlesungen sind weniger auf die dahinter stehenden Konzepte ausgerichtet, es dreht sich mehr um die Implementierungen und Beispiele.

Melbourne

Ich hatte nur ein Wochenende zwischen Prüfungen in Deutschland und den Beginn der Orientierungseinheit in Oz. Das hat dann gerade für den Flieger gereicht... Die Uni unterstützt einen recht stark bei der Wohnungssuche, aber so kurz vor dem Semester war das meiste natürlich schon weg. Letztlich quartierte ich mich dann für drei Monate (mir war zu dem Zeitpunkt dann schon bewußt, dass ich keine Klausuren schreiben musste) in einem Shared-House ein. Da lebten noch Inder und Bangladeshis. Für das zweite Semester galt dann das gleiche. Da ich vier Wochen gereist bin, hatte ich das Zimmer aufgegeben und musste mir also ein neues Suchen. Das war dann auch nicht so einfach, letztlich bin ich dann bei einem Australier gelandet, wieder für nur drei Monate. Wirklich günstig war das Wohnen in der Nähe des Campus leider nicht. Man sollte schon mit 300€ pro Monat für ein möbliertes Zimmer rechnen.

Tipp: Mindestens 2-3 Wochen (im Australischen Sommer) vorher in Melbourne sein, um Chancen auf eine gute Wohnung zu haben.

Studiengebühren

Ich hatte leider die Frist versäumt, mich für ein Jahresstipendium vom DAAD zu bewerben (die ist ein Jahr im Voraus), konnte letztlich noch ein kleines Stipendium von meiner Uni bekommen. Trotzdem ist die finanzielle Situation schon erdrückend.

Tipp: Mit/Über Prof Keedy für ein DAAD Stipendium bewerben (Die Hilfe auf jeden Fall in Anspruch nehmen, ich hab es damals nicht getan und bereue es jetzt doch.)

Reisen

Australien fasziniert einfach und so bin ich insgesamt 4,5 Monate herumgetourt, bevor es nach Neuseeland ging und dann schließlich zurück nach Deutschland um das Diplom zu beenden. Natürlich schaute ich auch kurz bei Prof Keedy an der Gold Coast vorbei.

Für die ganz eiligen, wer wie ich keine Klausuren schreiben muss, der kann es auch schaffen, nur ein Semester in Deutschland aussetzen müssen und rechtzeitig zum Wintersemester wieder in Deutschland zu sein. Das habe ich mir aber nicht erlaubt und lieber 5,5 Monate Urlaub drangehängt...

Kontakt

Falls Fragen bestehen, meine Emailadresse kann bei Prof. Keedy erfragt werden. Fragen zu Monash, MIT und Caulfield beantworte ich gerne.

Fazit

Insgesamt ein tolles Auslandsjahr, auch wenn die erfahrene Qualität der Master-Vorlesungen enttäuschend ist. Da ich mein Diplom auf jeden Fall zu Ende machen werde, habe ich dann auch zwei Abschlüsse und einer davon wurde im Ausland erworben. Die Reisezeit alleine war es auf jeden Fall wert, nach Australien zu gehen!!!