Stefan Schulte, University of Newcastle, Master of Information Technology 2005

Erfahrungsberichte - Information Technology

University of Newcastle, Callaghan, New South Wales

Master of Information Technology

Februar bis November 2005


Von Februar bis November 2005 habe ich an der University of Newcastle Information Technology im Master-Programm studiert.

1. Anreise nach Newcastle

Newcastle befindet sich ca. 150 Kilometer nördlich von Sydney und besitzt zwar einen eigenen Flughafen, auf diesem landen jedoch keine internationalen Flüge. Aus diesem Grund ist es angebracht, auf dem internationalen Flughafen von Sydney zu landen. Die University of Newcastle bietet für 50 Dollar einen Abholservice am Flughafen Kingsford-Smith an, den ich in Anspruch genommen habe. Dieser fährt bis zum jeweiligen Zielpunkt in Newcastle und ist absolut empfehlenswert. Die einzige Alternative ist es, den Zug nach Newcastle zu nehmen, der zwar günstiger ist (um die 30 Dollar), aber mit mehr als 3 Stunden Reisezeit auch länger als die zweistündige Fahrt im Bus. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass internationale "full fee paying" Studenten keinen Anspruch auf den ermäßigten Bahn-Tarif haben. Als Fluglinie kann ich Emirates empfehlen (Tipp: Den Stop-Over nutzen und noch 1 oder 2 Tage kostenlos Urlaub in Dubai machen).

2. Unterkunft

Die Wohnungssuche in Newcastle gestaltet sich im Allgemeinen sehr einfach, da das Angebot an günstigen WG-Zimmern sehr groß ist. Dennoch kann es gerade im Februar zu Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche kommen, da zeitgleich sehr viele Studenten versuchen ein Zimmer zu finden. Mietverhältnisse sind nur bedingt mit denjenigen in Deutschland vergleichbar, da Mietverträge viel kurzfristiger ausgelegt sind. Die Miete wird meistens per Woche abgerechnet und wöchentlich oder monatlich bezahlt; die Kündigung des Mietverhältnisses kann ebenfalls sehr kurzfristig erfolgen.

Will man sich ein Zimmer in einer Privat-WG besorgen, so bietet es sich an, sich erst einmal für wenige Nächte in einem Hostel in Newcastle einzuquartieren um sich von dort aus auf die Wohnungssuche zu begeben. Die Universität bietet im "Student Support Center" Hilfe bei der Suche an und verfügt zudem über eine Datenbank, in der viele WG-Zimmer angeboten werden. Für ein Zimmer im Studentenwohnheim (s. u.) hingegen muss man sich frühzeitig bewerben! Es empfiehlt sich, sich frühzeitig per Mail mit dem Student Service Center an der University of Newcastle in Verbindung zu setzen.

WG-Zimmer sind in Newcastle zwar günstig, dafür aber häufig in einem ein wenig heruntergekommenen Zustand. Wenn man jedoch für einen begrenzten Zeitraum mit leicht eingeschränktem Wohnkomfort leben kann, würde ich eine Privat-WG empfehlen. Viele dieser WGs sind Haus-WGs und verfügen über einen eigenen Garten und manchmal sogar über einen eigenen Pool.

Ich selber habe nicht in einer solchen Privat-WG gewohnt, sondern "On-Campus" in einem Studentenwohnheim. Die Seite http://www.newcastle.edu.au/service/accommodation/ gibt einen guten Überblick über die verschiedenen Wohnmöglichkeiten. Generell hat ein Zimmer im Wohnheim den Vorteil, dass die Wege zur Uni sehr kurz sind und das man von Anfang an viele Studenten kennenlernt, von denen sehr viele auch gerade erst angekommen sind. Dies gilt insbesondere für das "International House", in dem ich gewohnt habe, da hier 50% der Bewohner internationale Studenten und 50% Australier sind. Manche Wohnheime bieten in der Woche ein Dinner an, welches im Mietpreis enthalten ist. Auf der anderen Seite sind Privat-WGs meistens ein ganzes Stück günstiger als Wohnheime. Da die Innenstadt mehr als 30 Minuten mit dem Bus (bzw. 10 Minuten mit der Bahn - die Uni verfügt über einen eigenen Bahnhof, von der es allerdings auch noch einmal 10 Minuten zu den Vorlesungsgebäuden sind) vom Campus entfernt ist, sollte dies bei der Wohnungssuche berücksichtigt werden.

Im International House (http://www.newcastle.edu.au/service/accommodation/on-campus/international/) wohnen ca. 200 Studenten in 5er, 6er und 10er WGs. Jedes Zimmer ist möbliert und verfügt über einen kostenlosen Breitband-Internetanschluß. Jede WG verfügt über eine Küche mit angeschlossenem Wohn- bzw. Fernsehzimmer und 1 oder 2 Bäder. Waschräume mit kostengünstigen Waschmaschinen und Wäschetrocknern befinden sich außerhalb der WGs und sind sehr günstig nutzbar, aber sehr häufig auch überfüllt.

Von Montag bis Freitag wird in der Dining Hall ein Abendessen serviert, was das International House ein wenig teurer als die übrigen Wohnheime macht. Die WGs werden einmal die Woche gereinigt, so dass man sich nur um das eigene Zimmer und den Abwasch kümmern muss; außerdem besteht einmal die Woche die Möglichkeit, frische Bettwäsche zu erhalten. Ein kostenloser Bus zum nächstgelegenen Einkaufszentrum in Jesmond wird ebenfalls wöchentlich angeboten.

Diese Angebote machen das Leben im International House zwar sehr bequem, auf der anderen Seite erklärt sich hieraus auch der hohe Mietpreis. Zudem ist die gute Lage hinfällig, wenn man in erster Linie Vorlesungen auf dem City-Campus hört (s. u.) und der Weg zum Strand ist sehr lang.

Abschließend sei zu sagen, dass ich das Leben im International House zwar sehr angenehm fand, mich aber vermutlich nicht noch einmal dafür entscheiden würde. Die Vorteile, die sich aus dem Leben "On-Campus" ergeben sind zwar nett, aber der höhere Mietpreis rechnet sich dafür nicht. Zudem sind sehr viele Bewohner relativ jung, d. h. Anfang 20 - entsprechend wird es manchmal nachts schon ein wenig lauter auf dem Innenhof ;) .

3. Studium

Belegt man in Newcastle den Studiengang "Master of Information Technology" (MIT), muss man ein Kernprogramm von 8 Kursen belegen und kann 4 Kurse frei wählen. Durch die Vermittlung von Prof. Keedy war mein Programm jedoch auf 5 Pflicht- und 2 Wahlkurse beschränkt.

Eine Besonderheit des MIT-Studiums in Newcastle ist die örtliche Verteilung der Vorlesungen. Belegt man Kurse an der Newcastle Graduate School of Business (dazu gehören 2 Kurse des Pflichtprogramms), so finden diese im University-House in der Innenstadt von Newcastle statt. Der dortige Campus unterteilt das Studienjahr jedoch in Trimester, so dass es je nach Lehrangebot notwendig ist, schon vor dem ersten Semester in Newcastle anwesend zu sein, da das erste Trimester vor diesem beginnt. Analog ist es eventuell notwendig, nach Abschluß des zweiten Semesters noch das dritte Trimester zu beenden. Belegt man den Studiengang MBA in Newcastle, so hört man ausschließlich Kurse an der Graduate School of Business. In jedem Fall fällt die Vorlesungspause zwischen Semester 1 und 2 aus, wenn Vorlesungen im zweiten Trimester belegt werden.

Abgesehen von den Pflichtveranstaltungen ist das MIT-Studium einem deutschen (Wirtschafts-) Informatikstudium im Hinblick auf die Wahlmöglichkeiten relativ ähnlich. Die frei wählbaren Kurse können u. a. aus den Bereichen eBusiness, Software Engineering, Electrical Engineering oder Design ausgewählt werden, insgesamt steht eine breite Palette an Wahlmöglichkeiten zur Verfügung.

Das Studium wird ausführlich unter http://www.newcastle.edu.au/ beschrieben.

Generell ist ein australisches Studium verschulter als in Deutschland und hat einen sehr hohen Arbeitsaufwand im Semester. Dies überrascht v. a. Studenten aus Studiengängen, die keine regelmäßigen Pflichtübungen in Deutschland verlangen. Ein Beispiel: Während des zweiten Trimesters habe ich innerhalb von 12 Wochen insgesamt vier Seminararbeiten abgegeben und drei Vorträge gehalten, die inhaltlich nicht den Seminararbeiten entsprachen. Diese Arbeiten und Präsentationen zählten zwischen 40 und 60 Prozent der Gesamtnote eines Kurses. Der restliche Anteil an der Note ergab sich aus der Abschlußklausur, die im direkten Anschluß an das Tri- oder Semester stattfand. Das Beispiel bezieht sich auf ein Trimester und somit auf Kurse aus dem Business-Bereich, der Arbeitsaufwand für Kurse aus anderen Fachgebieten war jedoch vergleichbar. Generell gilt, dass Kurse, die zusammen mit dem entsprechenden Undergraduate-Kurs angeboten werden, ein niedrigeres Niveau aufweisen und somit auch der Arbeitsaufwand geringer ist.

Bevor sich Prof. Keedy um eine mögliche Anrechnung von Studienleistungen kümmert, sollte man sich daher informieren, welche Kurse man in ähnlicher Form vielleicht in Deutschland schon gemacht hat. In meinem Fall waren z. B. die Kurse INFO6030 und INFO6040 relativ überflüssig, da ich deren Inhalte zum größten Teil bereits kannte. Auf der anderen Seite war die Vorlesung GSBS6010 (Foundation of Marketing Theory) sehr gut, obwohl ich in Deutschland bereits eine Marketing-Vorlesung besucht hatte.

Im Allgemeinen waren die Business-Kurse an der Newcastle Graduate School of Business von sehr hohem Niveau, sowohl was den Erkenntnisgewinn als auch den Arbeitsaufwand betrifft. Auch viele Kurse aus den Bereich INFO und COMP waren interessant, diese waren aber im Allgemeinen nicht ganz so herausfordernd. Im Gegensatz zu den Informatik-Kursen gibt es für Business-Kurse keine Tutorien. Es ist ein wenig schade, dass man nicht noch größere Wahlmöglichkeiten bei den Kursen hat, da man durch die 8 Pflichtkurse doch relativ eingeschränkt ist; bei der Anrechnung von Studienleistungen sollte deswegen versucht werden, möglichst viele Veranstaltungen aus dem Pflichtprogramm und relativ wenige Wahlkurse anrechnen zu lassen.

Im Allgemeinen waren die Dozenten sehr motiviert und hilfsbereit. Vorlesungen werden im Normalfall nicht von Professoren gehalten, sondern von wissenschaftlichen Assistenten oder Dozenten aus der Praxis, dies verringert die Qualität der Vorlesungen aber nicht. Wie die Dozenten waren auch die Mitarbeiter im Studentenbüro überaus hilfsbereit.

Zwar gehört die University of Newcastle nicht zur "Group of Eight", muss sich aber trotzdem nicht hinter deutschen Universitäten verstecken.

4. Vermittlung durch Prof. Keedy

Eigentlich war es mein Plan, ein Semester Study Abroad in Australien zu verbringen, da meine Heimatuniversität (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) nur ein sehr eingeschränktes Austauschprogramm mit Australien bietet. Rein zufällig hat Prof. Keedy während meiner frühen Vorbereitungsphase einen Vortrag über seine Vermittlung in Oldenburg gehalten, von dem ich durch einen Aushang in der Uni erfahren habe. Die Möglichkeit, innerhalb eines Jahres einen Master-Abschluß zu erhalten klang so gut, dass ich mich entschloss, statt einem Semester ein ganzes Jahr in Australien zu verbringen.

Ich schilderte Prof. Keedy per E-Mail und telefonisch mein Anliegen. Da ich ziemlich genaue Vorstellungen hatte, welche Art von Vorlesungen ich in Australien besuchen wollte, half er mir zunächst einmal bei der Suche nach einer Universität mit einem passenden Master-Programm. Bei einem anschließenden Treffen in Oldenburg füllten wir gemeinsam die Bewerbungsunterlagen für die University of Newcastle aus und Prof. Keedy kümmerte sich um die weiteren Formalitäten; für mich selbst war der Organisationsaufwand in dieser Phase relativ gering. Prof. Keedy kümmerte sich auch um die Anrechnung von deutschen Studienleistungen an der University of Newcastle, wodurch ich nur 7 statt 12 Kurse belegen musste.

5. Was ich sonst noch alles gemacht habe

Natürlich bietet Australien eine Vielzahl von touristischen Highlights, die ich an dieser Stelle nicht noch einmal wiederholen möchte. Über die meisten meiner Trips habe ich auf www.stefansblog.de berichtet, dort sind auch jede Menge Fotos zu finden.

Newcastle verfügt zudem über einen der besten Surfspots Australiens, der den entsprechenden Spots in Sydney sogar vorzuziehen und lange nicht so überbevölkert ist. Im Hinblick auf Newcastle ist die Nähe zu Sydney und den Blue Mountains hervorzuheben, was auch die Weiterreise per Flugzeug sehr erleichtert. Fliegen ist in Australien sehr günstig, da mit Virginblue und Jetstar 2 Billig-Airlines um Kunden kämpfen. Diese Fluglinien operieren auch vom Newcastle-Airport aus, dieser bietet aber eine geringer Auswahl an Zielen. Alle 2-3 Monate gibt es Aktionswochen bei den o. g. Airlines, in denen Flüge für einen sehr günstigen Preis angeboten werden. Es lohnt sich also wirklich, dort häufiger mal nachzuschauen.

Alternativ lohnt es sich unter Umständen, ein gebrauchtes Auto für die Zeit in Australien anzuschaffen. In Sydney existiert ein großer Markt für gebrauchte Backpacker-Autos - mit etwas Glück (und wenn man nicht allzuviel Geld in Reparaturen stecken muss), kann man ein Auto zum Ende seiner Zeit in Australien ohne großen Verlust wieder verkaufen.

6. Nach der Rückkehr

Nach der Rückkehr nach Deutschland habe ich einen Teil meiner Studienleistungen an meiner Heimatuniversität angerechnet bekommen. Ich hatte mich bereits vor meiner Abreise nach Australien bzw. in meiner Vorbereitungsphase bei verschiedenen Professoren erkundigt, was für Studienleistungen auf Prüfungen in Deutschland angerechnet werden könnten - deswegen konnte ich Prof. Keedy genau mitteilen, welche Vorlesungen ich in Australien belegen wollte und nach diesen Vorgaben wurde ein für mich passender Studiengang ausgewählt. Ich kann empfehlen, ähnlich vorzugehen und sich schon früh an der Heimatuniversität zu erkundigen, welche Art von Veranstaltungen auf deutsche Prüfungsleistungen angerechnet werden können.

Nur wenige Wochen nach meiner Rückkehr begann ich mich zu bewerben, da das Ende meines Studiums absehbar war. Der australische Master-Titel war auf jeden Fall ein echter Hingucker im Lebenslauf und ich hatte eine überaus positive Rücklaufquote auf meine Bewerbungen. In Bewerbungsgesprächen wurde ich zudem häufig nach dem ausländischen Studienabschluß befragt, da dieser auch für Personaler keine Alltäglichkeit ist.

Meine E-Mailadresse kann bei Prof. Keedy erfragt werden. Ich bin gerne bereit, Fragen zum Studium in Newcastle bzw. Australien zu beantworten.