Timo Bozsolik, Monash University, Postgraduate Diploma in Information Technology, 2008

Erfahrungsbericht über ein Auslandssemester an der Monash University in Melbourne, Australien

Timo Bozsolik


Vorbereitungen

Die Entscheidung, ein Semester im Ausland zu studieren, viel bei mir eigentlich schon recht früh im Studium. Aufgrund meines Studienfaches (Informatik) lag die Wahl eines englischsprachigen Landes nahe. Nachdem ich dann einen Vortrag von Herrn Prof. Keedy, einem ehemaligen Informatik-Dozenten, der sowohl in Deutschland als auch in Australien gelehrt hat, gehört hatte, stand meine Entschluss fest, es sollte nach Australien gehen. Herr Prof. Keedy kennt sowohl das deutsche als auch das australische Studiensystem sehr gut und hat sich darauf spezialisiert, deutsche Studenten nach Australien zu bringen und diesen bei sämtlichen Formalitäten zur Seite zu stehen. So nahm ich seine Hilfe gerne an. Die wichtigste Entscheidung zu Beginn war hierbei das Ziel meines Auslandsaufenthaltes. Ich entschied mich für die komplizierteste, aber durchaus auch interessanteste Variante: ein Auslandsaufenthalt mit Abschluss. Dies bedeutete im Klartext, dass ich ein Semester an eine australische Universität gehe, dort ein komplettes Semester aus Deutschland anerkannt bekomme und dadurch das eigentlich zweisemestrige Graduate Diploma erlangen kann. Durch die zusätzliche Anerkennung der australischen Kurse in Deutschland würde sich meine Studienzeit insgesamt nicht einmal verlängern. Nachdem dies feststand, entschied ich mich für eine Hochschule, an der dies möglich ist. Meine Wahl fiel auf die Monash University in Melbourne, die im Bereich der Informatik einen sehr guten Ruf genießt (TOP 20 im internationalen Vergleich) und zu der Herr Keedy noch gute Kontakte hatte. Diese Kontakte verhalfen mir dann unter anderem dazu, dass ich keine TOEFL-Test zur Aufnahme ablegen musste, mein Abitur-Zeugnis mit der Englisch-Note reichte hierfür aus. Auch sonst kann ich jedem, der mit dem Gedanken spielt, nach Australien zu gehen, nur raten, Herrn Keedy zu kontaktieren. Er kann alle Formalitäten erledigen, die mit der Bewerbung und Aufnahme zu tun haben und kann auch in Anerkennungsfragen durch seine guten Kontakte sehr viel erreichen. Außerdem steht er während der ganzen Zeit beratend zur Seite. Seine Webseite ist http://www.australien-studium.org.

Leider hatte meine Heimathochschule keine Partnerschaft zur Monash University, was bedeutete, dass ich an keinem Austausch-Programm teilnehmen konnte und mich ganz normal als ausländischer Student an der Monash University beworben habe. Der gravierende Unterschied ist der, dass man als solcher die vollen Studiengebühren bezahlen muss (in meinem Fall etwa 12.000 A$ für ein Semester), welche bei einem Exchange-Programm nicht anfallen. Weder ich noch meine Eltern konnten diese Summe aufbringen, jedoch kann ich mich zu den Glücklichen zählen, die in dieser Hinsicht großzügige Hilfe empfangen haben. Neben der Förderung durch den DAAD und später auch die Studienstiftung, erhielt ich noch ein weiteres Stipendium direkt an der Monash University, wodurch insgesamt meine Kosten zum Großteil gedeckt wurden.

Nachdem ich dann die Aufnahme-Bestätigung der Monash University erhalten habe, konnte ich mich um ein Visum kümmern. Dieses kann man als Student ganz einfach über das Internet beantragen. Eine Hürde gab es in meinem Fall da noch zu nehmen: Da meine Confirmation of Enrolment auf 3 Semester ausgestellt war (formal war ich in einem Master-Studiengang eingeschrieben, den ich dann nach zwei Semestern und dem Graduate Diploma abgebrochen haben), musste ich zum Gesundheits-Check, der ab einem Jahr Aufenthalt Pflicht ist. Dass ich solange gar nicht in Australien geblieben bin, hat die australische Botschaft dabei nicht gestört, da wurde nicht einmal mein Rückflugticket akzeptiert. Also musste ich nach Freiburg fahren (da gab es den nächsten Vertragsarzt, der meine Daten schnell über das Internet zur Botschaft schicken konnte) und diese Untersuchung machen, was natürlich wieder zusätzlich ~150€ gekostet hat. Generell muss man leider sagen, dass im Zusammenhang mit der australischen Regierung nichts umsonst ist. Das Visum an sicht kostet etwa 450 A$, die Bewerbung an der Universität im Normalfall auch etwa 100 A$. Also sollte man in jedem Fall diesbezüglich immer recht großzügig planen. Als gute Lektüre zur Vorbereitung insgesamt kann ich “Studieninfo Australien” herausgegeben vom DAAD empfehlen.


Die Monash-University

Die Monash-University ist eine ausdrücklich international ausgelegte Universität, was man schon in der ersten Vorlesung selbst erleben kann. Gerade im Informatik-Bereich besteht das Publikum zu 90% aus asiatischen Studenten (hauptsächlich Indien und China), Australier trifft man dort eher selten. Das Lernverhalten ist oft stark rezeptiv, was einen deutschen Studenten schnell an die Schulzeit erinnert. Auch generell ist das Studium in Australien für deutsche Verhältnisse eher schulisch und weniger auf eigener Lern-Initiative basierend. Manchen Studenten tut das eher gut, manche kommen damit eher weniger klar, das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Insgesamt kann man zum Master - Studium down under sagen, dass man keine Angst haben muss, aufgrund der Sprachbarriere und der fremden Umgebung im Studium zu scheitern. Wählt man nicht gerade einen schweren Honours – Studiengang (eine Erweiterung des Bachelor-Studienganges, die in Australien sehr hoch angesehen ist), wird man hier nicht auf unmögliche Aufgaben treffen. Die Vorlesungs-Themen werden hier einfacher und viel praktischer als in Deutschland dargestellt und bei gestellten Aufgaben werden oft nur reproduktive Dinge erwartet, was einem ausländischen Studenten natürlich auch entgegenkommt. Auf der anderen Seite ist der Arbeitsaufwand hier erheblich höher als der in Deutschland. Da hier die Klausur am Ende des Semesters oft nur einen Teil der Endnote jedes Faches ausmacht oder es sogar gar keine Klausur gibt, zählt die Beteiligung während des Semesters natürlich umso mehr. Diese wird dann in Form von mehr oder weniger großen Assignments erwartet, die jeweils zum Beispiel aus einem Programmierprojekt oder aus diversen Formen eines Essays (Research Paper, Case Study, Literature Review...) bestehen können. Diese sind meistens recht ausführlich (etwa im Bereich von 1500 – 5000 Wörtern) und daher sehr zeitaufwändig. Wenn dann in jedem Fach 2-3 solcher Assignments abgegeben werden müssen, erkennt man schnell, dass die (für ausländische Studenten vorgeschriebenen) 4 Vorlesungen pro Semester doch recht viel Arbeit bedeuten. Aufgrund der straffen Semesterplanung ist dann etwa jede Woche ein solches Assignment fällig, was in meinem Fall durchaus bedeutete, dass ich mehrmals pro Woche eine Nachtschicht einschieben musste, um alle Due-Dates einhalten zu können und eine gute Note zu erreichen. Das positive daran ist, dass man einen großen Teil der Note schon vor der Klausur erreichen kann und nicht nur nach zwei Stunden am Ende des Semesters bewertet wird.

Generell sieht man der Monash-University durchaus an, dass hier mehr Geld vorhanden ist als an deutschen Universitäten. Allein in Melbourne hat die Uni 5 Campusse, weitere zwei kommen in Malaysia und Süd-Afrika dazu. Der größte davon in Clayton besitzt natürlich weitläufige Park- und Sport-Anlagen, wozu zum Beispiel Uni-eigene Fitness-Studios und ein Schwimmbad gehören. Leider ist deren Benutzung nicht in den Studiengebühren inbegriffen, eigentlich alles kostet hier extra. Sogar das Ausstellen einer Studienbescheinigung kostet 20 A$ und auch das Internet ist ab einem bestimmten Grenze (1 GB / Semester) kostenpflichtig.


Abschluss des Studiums

Alles in allem kann ich behaupten, dass mich das Studium in Australien fachlich voran gebracht hat. Zwar sind die Lehrmethoden und die gesamte Einstellung der Universität durchaus verschieden im Vergleich zu Deutschland, im Endeffekt lernt man aber doch genauso dazu. Wie am Anfang geplant, konnte ich mir die notwendigen Kurse aus Deutschland an der Monash University anerkennen lassen und so das Postgraduate Diploma mit sehr guten Noten erlangen. Die Anerkennung der australischen Kurse in Deutschland ist momentan noch nicht endültig beschlossen, allerdings gehe ich durch die geführten Gespräche auch hier davon aus, dass mir 100% der absolvierten Lehrveranstaltungen anerkannt werden. Insgesamt konnte ich also mein Vorhaben, einen Abschluss innerhalb eines Semesters in Australien, zu absolvieren und gleichzeitig durch die Anerkennung in Deutschland mein Studium hier voran zu bringen, voll und ganz umsetzen.

Die Stadt Melbourne

Gleich zu Beginn meines Aufenthaltes wurde mir bewusst, dass Melbourne kein billiges Pflaster ist. Die anfängliche Wohnungssuche gestaltete sich schwieriger als erwartet, jedoch fand ich durch Zufall doch noch ein tolles Zimmer in einem größeren, nur für Studenten gedachten Haus, das auch noch in Uni-Nähe lag. Wie für eine Millionenstadt üblich, muss man jedoch mit hohen Mietpreisen rechnen, ein Zimmer in einer WG kostet hier etwa 150 – 220 A$ in der Woche, was etwa 370 – 540 € im Monat entspricht. Wer jedoch mehr als ein paar Tage in Melbourne verbracht hat, weiß dass es diesen Preis wert ist, in dieser Stadt zu wohnen. Nicht umsonst wird Melbourne immer wieder zu “most liveable city of the world” gewählt. Die Metropole wirkt durch ihren kleinen Stadtkern und die riesige Ausdehnung der Vororte eher wie ein großes Dorf und dadurch wesentlich freundlicher als andere Großstätte. Auch die Menschen machen hier einen netten Eindruck und sind vor allem sehr hilfsbereit.
Durch die gute Lage der Stadt kann man hier - abgesehen vom Studium natürlich - relativ viel Australien auf einem Fleck erleben. Im Stadtzentrum kommt Großstadt–Feeling auf, nur wenige Kilometer davon entfernt gibt es breite Sand-Strände, an denen man relaxen kann. Nur etwa 150km süd-westlich beginnt die bekannte Great Ocean Road, etwa 200 km nord-östlich gibt es Berge, auf denen man sogar Ski-Fahren kann, und etwa 300km nördlich beginnt langsam das Outback. Auch die Stadt Melbourne bietet sehr viel Natur: es gibt hier ungewöhnlich viele und weitläufige Parks, die im gesamten Stadtgebiet immer wieder auftauchen und das Stadtbild insgesamt noch freundlicher machen. Auch in Bezug auf Kunst und Musik hat die Stadt viel Abwechslung zu bieten und zeigt multikulturellen Charakter.


Fazit

Insgesamt kann ich jedem ein Studium im Ausland nur empfehlen. Zwar ist der Start meistens etwas hinderlich und mit viel Arbeit und Eigeninitiative verbunden, jedoch wird man hier schnell entlohnt. Die vielen interessanten Personen und Eindrücke, mit denen man in einem Auslandssemester schon zwangsweise konfrontiert wird, lassen die kleinen Problemchen und die Sprachbarriere schnell vergessen. Auch gerade ein Studium in Australien ist eine sehr spannende, ansprechende und faszinierende Alternative zum Studienalltag in Deutschland. Allerdings bedauere ich, nur ein Semester in Australien studiert zu haben, für eine solche Erfahrung und das großartige Land sollte man sich eher zwei Semester Zeit nehmen. Durch die großen Entfernungen benötigt man auch grundsätzlich mehr Zeit als ursprünglich gedacht, was auch mich dazu bewogen hat, meinen Aufenthalt um etwa einen Monat zu verlängern. Auch die Stadt Melbourne und die Monash University kann ich nur empfehlen, nicht nur aufgrund der guten Ausstattung und der guten Reputation.

Am Ende möchte ich in diesem Rahmen noch die Möglichkeit Nutzen, mich bei der Studienstiftung, dem DAAD und der Monash University für das in mich gesteckte Vertrauen und die finanzielle Förderung bedanken. Nur dadurch war es für möglich, dieses Auslandssemester zu absolvieren und so viele interessante Momente zu erleben. Außerdem gilt mein Dank Herrn Prof. Keedy, der mir bei den Vorbereitungen und den Formalitäten sehr unter die Arme gegriffen hat und ohne den ich dieses Semester so nicht hätte durchführen können.

Timo Bozsolik 25.01.2009